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10.02.2014

Il Gattopardo im Tages-Anzeiger

Neulich hatten wir Besuch im Restaurant Il Gattopardo...

 

Tierische Verwechslung / Tages-Anzeiger, 2014-02-04

Am Anfang steht die Konfusion: Rössli heisse das Restaurant, das einem wärmstens empfohlen wird. Nein, nicht das Weisse Rössli, ein ebenfalls hervorragendes Lokal an der Bederstrasse, sondern nur Rössli an der Rössligasse beim Hechtplatz. Dort gibt es zwar ein Hotel Rössli und eine ebenfalls traditionell klingende Beiz namens Zum Weissen Kreuz - nicht zu verwechseln mit dem Weissen Kreuz beim Stadelhofen -, aber kein Speiselokal namens Rössli. Schliesslich stellt sich heraus, dass das Rössli im Rössli kein Pferd ist, sondern ein Leopard. Es heisst Il Gattopardo , ist das Restaurant des Hotels Rössli und pflegt die italienische Küche - in hervorragendster Weise, wie sich herausstellen wird.


Zuerst gilt es aber, eine weitere Klippe zu umschiffen, die Tischreservation. Sie ist nötig, wie wir noch sehen werden, weil das Lokal sehr klein ist und nicht so viele Tische hat. Doch die Réception hat keine direkte Verbindung, deshalb wird man mit einer Handynummer abgefunden, allerdings erst beim zweiten Anlauf. Dort meldet sich schliesslich der Geschäftsführer höchst persönlich - es kann losgehen.

 

So viel vorne weg: Die Mühe lohnt sich. Das Lokal befindet sich im ersten Stock des Hotels und ist sehr klein. Das Publikum ist gemischt. An diesem Abend dominiert eine Runde von rund einem Dutzend Männern zwischen 30 und 40. Das hebt den Lärmpegel deutlich über den Durchschnittswert.

 

Die Auswahl auf der Speisekarte ist bescheiden - ein gutes Omen. Es zeigt, dass die Küche auf frische Eigenprodukte setzt. Der Haken dabei: Es kann zu Konflikten bei der Bestellung führen. Meine halb vegetarische Begleitung und ich entscheiden uns mit Vorliebe für das Gleiche, was aber bei einer Restaurantbesprechung nicht drinliegt. Deshalb wählt er schliesslich den Fisch, ich das Fleisch. Der Barbera aus dem Piemont (65 Fr.) passt ausgezeichnet zu beidem.

Die Inneneinrichtung des Raumes, eine Wand ist hellblau, die gegenüberliegende besteht aus einer dunkelblaugoldenen Tapete, ist leicht kitschig. Die Bedienung ist nicht nur aufmerksam, sondern auch freundlich. Meine Begleitung erhält zur Vorspeise frische Nudeln mit Crevetten und Jakobsmuscheln, mit einem Hauch von kleinst geschnittenen Karotten, Zucchetti, Tomaten und Peterli (26 Fr.). Er ist des Lobes voll und schwärmt einen Tag später noch davon. Mir bringt die Serviererin ein hauchdünn geschnittenes Artischockencarpaccio (16 Fr.) mit enthäuteten Orangenschnitzen und darüber geraspeltem Pecorino. Die mit Zitronen und Olivenöl beträufelten Artischocken sind eine süsssäuerlich-salzige Wucht.

 

Auch der Hauptgang lässt nichts zu wünschen übrig. Mit einem Seezungenfilet vom Grill (44 Fr.) kann man nicht viel falsch machen. Meine Begleitung ist sehr zufrieden. Mein knusprig angebratenes Rindsmedaillon ist zart, und die in Butter geschwenkten Pinienkerne und Rosinen verleihen ihm eine süsssalzige Komponente (52 Fr.). Dazu wird ein Risotto mit kleinsten Kürbiswürfeln gereicht, der Risotto hat noch Biss, wie es sein muss. Das Dessert, eine Panna cotta mit Früchten (12 Fr.), kann ich leider nur beschränkt beurteilen. Meine Begleitung hat es blitzschnell weggeputzt.

 

Denise Marquard

 

Ristorante Il Gattopardo , Rössligasse 7, 8001 Zürich, Tel. 079 605 01 08. Mo bis Sa mittags auf Reservation, abends ab 18.30 Uhr.

 

In der Rubrik «A point» besucht der TA Restaurants, Beizen und Spelunken. Die Kritiker testen die Lokale anonym.