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15.02.2015

Il Gattopardo im Züri Tipp

Und wir hatten gleich nochmals Besuch im Gattopardo...

 

DAHEIM AM NEUEN ORT

ZüriTipp, von Jan Graber. Aktualisiert am 05.02.2014

Das Ehepaar Fertitta ist ein eingespieltes Gastroteam. Im neuen Restaurant kommt das so richtig gut zur Geltung.

 

Meine Begleitung strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Sie hat soeben genüsslich ein Brownie aus Schokolade und ­Haselnuss verdrückt. Noch drei Bisse später diskutieren wir darüber, ob es mehr nach Nuss oder Schokolade oder am Ende doch vor allem zimtig schmeckt. Dabei ist es nur der Auftakt zu einer exquisiten, cremigen Panna cotta mit (nicht saisonalen) Beeren (12 Fr.). In unseren Bäuchen hätte es dafür eigentlich gar keinen Platz mehr, doch nach einem perfekten Dinner wollen wir uns diese Verführung nicht entgehen lassen.

 

Damit haben wir das Pferd von hinten aufgezäumt, was angesichts des Ortes aber passt: Wir befinden uns im ersten Stock ­des Hotels Rössli an der Rössligasse. Im kleinen, elegant eingerichteten Lokal mit einer dezenten Note Achtzigerjahre-Chic haben das Ristorante Il Gattopardo und die Gastgeber Imma und Enzo Fertitta eine neue Heimat gefunden. Das Gattopardo ist in der Stadt keine unbekannte Grösse – die Kochkunst Imma Fertittas und die Gastfreundschaft von Ehemann Enzo sorgten schon an mehreren Orten für lukullische Genüsse: an der Wolfbachstrasse etwa oder in der letzten Gattopardo-Station im ­ehemaligen Casa Piccoli. Der Chräis Chäib entsprach indessen nicht den Vorstellungen des Paares, weshalb es diese Station Ende 2010 aufgab.

 

Nun haben die Fertittas eine Adresse gefunden, in der nicht nur gestandene Köche wie Stefan Wieser und Didi Bruna gewirkt haben, sondern die auch perfekt zu Enzo Fertittas familiären Gastgeberqualitäten passt. Manchen Gästen mag seine Aufmerksamkeit zwar eine Spur zu aufdringlich sein, wer sich aber darauf einlässt, fühlt sich aufgehoben wie in Mamas Schoss.

Dass wir uns im neuen Gattopardo rundum wohlfühlen, ist vor allem auch der «Cucina di Imma» zu verdanken. Aus dieser kommt zum Beispiel ein perfekt lauwarmer Tintenfischsalat (22 Fr.), der wie im Süden Italiens mit Kartoffeln, Bohnen und Zwiebeln angerichtet ist. Mitten ins Piemont versetzen uns dagegen Taglierini fatti in casa – genau al dente gekochte Nüdeli mit ­Radicchio und San-Daniele-Rohschinken und einer pfeffrigen Rahmsauce. Das Rindsfilet Robespierre (48 Fr.) kommt in Olivenöl brutzelnd und butterzart auf den Tisch, das dazu gereichte Limonenrisotto – ein Klassiker aus Fertittas Zauberküche – ist auf den Punkt gegart. Ebenso der Safranrisotto, der zu einem zarten, mit knusprigen Salbei- und Rosmarinblättern gewürzten Kalbskotelett serviert wird (52 Fr.). Als Volltreffer erweist sich der von Enzo Fertitta empfohlene Wein: ein Barbera d’Asti Epico von Zanini (10 Fr./dl), der hervorragend zu den Gerichten passt.

 

Beim Ausgang werfen wir noch einen Blick in die Vergangenheit: Auf Fotos sind die Fertittas mit prominenten Gästen aus dem Rockzirkus abgebildet, die es sich in den früheren Gattopardo-Stationen haben gut gehen lassen: Kiss-Sänger Paul Stanley zum Beispiel oder die Blues-­Legende Joe Cocker. Rundum glücklich streben wir mit diesen Impressionen unseren eigenen Stallungen zu.

 

Pasta ab 16 Franken (als Vorspeise), ab 28 Franken (als Hauptgang)
Hauptspeisen ab 46 Franken